Warum Reparieren?


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Reparieren tut gut!

Das Reparieren im Café kaputt ist eine ganz einfache und praktische Sache, die in vielerlei Hinsicht für uns persönlich sinnvoll ist:

  • Reparieren schont den Geldbeutel, weil du keine neuen Möbel/Textilien/Geräte kaufen musst, sondern bereits vorhandene Dinge weiter nutzen kannst.

  • Es ist spannend, die Dinge unseres täglichen Lebens mal von innen zu sehen und zu erfahren, wie sie funktionieren.

  • Das praktische Tun macht Spaß, fördert unseren Entdecker*innengeist und unsere Problemlösefähigkeiten sowie unsere Kreativität.

  • Die Freude etwas selbst wieder funktionstüchtig gemacht zu haben, ist oft viel schöner und langanhaltender als die über etwas neu gekauftes.

  • Gemeinsam basteln ist noch schöner. Dabei können wir Wissen und Fähigkeiten miteinander teilen und von anderen lernen.

Reparieren ist jedoch nicht nur für uns persönlich sinnvoll. Wenn alle Menschen mehr reparieren würden, hätte das auch positive Auswirkungen auf die Gesellschaft um uns herum, die Lebensbedingungen von Menschen im globalen Süden und unsere Umwelt.

• Abfall vermeiden, Ressourcen schonen

Im Jahr 2016 sind laut dem Global E-Waste Monitor weltweit 44,7 Millionen Tonnen Elektronik-Schrott, also weggeworfene Küchengeräte, Computer, Bildschirme, Lampen, Smartphones und vieles mehr, angefallen. Bis heute hat sich daran nichts wesentliches geändert. Europa und insbesondere Deutschland zählen dabei zu den Hauptverursachern. Jede*r Deutsche*r produziert jährlich durchschnittlich 22,8 kg Elektro-Schrott (Zahl aus 2016). Du denkst jetzt vielleicht: So viel hab ich niemals weggeschmissen pro Jahr. Elektro-Schrott fällt natürlich nicht nur im Privathaushalt an, sondern auch in den Unternehmen, Ämtern und öffentlichen Einrichtungen, die die Infrastruktur, die wir tagtäglich nutzen, ermöglichen. Aber ein großer Anteil kommt auch aus unseren privaten Haushalten.

In jedem Elektro-Gerät stecken wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Coltan, Kobalt, Palladium, Kupfer, Zinn, Eisen, Nickel oder Gold. Viele davon werden nicht umweltverträglich abgebaut. Für den Goldabbau wird beispielsweise Zyanid eingesetzt, das dabei in das Wasser und die Böden in der Umgebung der Minen gelangt. Darunter leiden vor allem die Anwohner*innen. Das sind meist Menschen aus ärmeren Ländern im Globalen Süden.

In der Textil-Branche sieht es leider nicht besser aus. In Deutschland werden pro Jahr durchschnittlich 26 kg Textilien pro Einwohner*in gekauft, davon sind 12-15 kg Bekleidung. Die Produktion von Textilien verbraucht sehr viel Wasser. Der Anbau von 1 kg Baumwolle verbraucht ungefähr 200 Badewannen voll Wasser. Bei der Herstellung eines konventionellen Kleidungsstückes werden außerdem zahlreiche Chemikalien eingesetzt, die häufig durch die Abwässer in die Umwelt gelangen. Auch die Verwendung von Chemiefasern bringt Probleme mit sich: Durch den Abrieb der Kleidung gelangen zahlreiche Mikropartikel in die Natur.

All diese Zahlen zeigen: Je weniger wir neu produzieren, desto mehr können wir unsere Umwelt entlasten. Deshalb lohnt es sich, gebrauchte oder langlebige Kleidungsstücke und Elektronik-Geräte zu kaufen, und kaputt gegangene zu reparieren.

• Nutzungsdauer verlängern, Klimawandel stoppen

In der industriellen Produktion fallen ca. 8,7% der Treibhausgase an, die alle EU-Länder zusammengenommen ausstoßen (Zahl von 2017). Dabei werden die meisten der Güter, die wir konsumieren, gar nicht in der EU produziert. Die ständige Neu-Produktion von kurzlebigen Konsum-Artikeln hat also einen wesentlichen Anteil an der Klimaerwärmung.

Durch Reparatur verlängern wir die Nutzungsdauer unserer Geräte, Kleidungsstücke und anderer Gebrauchsgegenstände. Wir müssen nichts Neues kaufen und sparen so neben wertvollen Bodenschätzen und Wasser auch Treibhausgas-Emissionen, die bei der Herstellung freigesetzt werden. Reparieren ist also auch eine logische Konsequenz, um die fatalen Folgen des Klimawandels zu begrenzen.

• Wir leben über unseren Verhältnissen

Die Menschen in den westlichen Industrienationen zusammengenommen leben in Bezug auf den Verbrauch von Ressourcen weit über das hinaus, was für unseren Planeten aushaltbar wäre. Das zeigt der Earth Overshoot Day (deutsch: Erdüberlastungstag). Er zeigt an, an welchem Tag die Ressourcen-Kapazität der Erde für dieses Jahr verbraucht ist. Im Jahr 2019 war dieser Tag für die gesamte Weltbevölkerung schon am 29. Juli erreicht. Deutschland hatte seinen Anteil an Ressourcen sogar schon am 3. Mai aufgebraucht.

Das zeigt: Unser Lebensstil in Deutschland trägt mit am stärksten zum Ressourcenverbrauch und damit zu Klimawandel und der Zerstörung von Lebensräumen für wichtige Tiere und Pflanzen bei. So wie wir tagtäglich wirtschaften, produzieren, konsumieren und wegwerfen, kann es nicht weitergehen, wenn wir die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit lösen wollen.

• Wohlstand auf Kosten Anderer

Unser westlicher Wohlstand basiert nicht nur auf dem Über-Strapazieren der ökologischen Grenzen der Erde, sondern auch auf sozialen Ungleichheiten weltweit. Die meisten unserer Konsum-Produkte werden in Ländern des globalen Südens produziert. Mit globalem Süden sind Länder gemeint, die nicht zu den wohlhabenden Industrienationen gehören. Viele der von diesen genutzten Ressourcen stammen ebenfalls von dort. Produktion und Ressourcen-Abbau erfolgen dabei oftmals unter katastrophalen Bedingungen, sowohl für die Umwelt als auch für die Arbeiter*innen.

Unser Wohlstand ist nicht nur das Resultat von Fortschritt und Effizienz, sondern vor allem von weitreichender Plünderung und Ausbeutung. Unser Lebensstil funktioniert nur „auf Pump“. Er funktioniert, weil andere hier und anderswo weit weniger bekommen und wir die Möglichkeiten der zukünftigen Generationen reduzieren. Mehr noch: Die Menschen, die unter diesen Ungerechtigkeiten leiden, werden systematisch ausgegrenzt. Zum Beispiel, indem sie mit dem Stigma von Hartz IV leben müssen oder nach einer Flucht aus katastrophalen Zuständen andernorts hier oftmals nicht willkommen geheißen werden.

• Reparieren bringt Menschen zusammen

Immer wieder neue Dinge zu kaufen macht ab einem bestimmten Level nicht mehr glücklicher. Möglicherweise bewirkt es sogar das Gegenteil: Wir haben viel zu viele Dinge, um uns lange, intensiv und genussvoll mit ihnen zu beschäftigen. Wir versinken in der Vielfalt unserer Möglichkeiten, empfinden Stress und Zeitknappheit. Auf der anderen Seite gilt Besitz oft als Statussymbol und bringt gesellschaftliche Anerkennung. Um dabei mithalten zu können, stehen wir unter dem Druck, uns immer wieder das „Neueste“ leisten zu können.

Das macht unsere Gesellschaft immer anfälliger für Ellenbogenmentalität, Konkurrenzdenken und den Ausschluss anderer. Dabei wäre das Gegenteil davon hilfreich, um unsere gesellschaftlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Wir brauchen mehr Teilhabe, Solidarität, Akzeptanz von Anderen, Zusammenarbeit und Austausch untereinander, um tragfähige Lösungen für ein gutes Leben für alle zu entwickeln. Und natürlich auch, damit niemand von uns Angst und Stress haben muss, „aus dem System zu fallen“ und seine Grundsicherheiten zu verlieren. Im Café kaputt wollen wir deshalb nicht zuletzt einen Ort für ein gemeinsames Miteinander schaffen und einen Austausch zwischen vielen Menschen mit unterschiedlichen Lebenshintergründen ermöglichen.

• Wir wollen einen sozial-ökologischen Umbau

All diesen Problemen ist natürlich nicht einzig und allein durch Reparieren zu begegnen. Unser auf unendlichem Wachstum beruhendes kapitalistisches Wirtschaftssystem stößt offensichtlich an seine Grenzen. Die ökologischen und sozialen Nachteile überwiegen – global sowieso, aber auch hier vor Ort – mittlerweile deutlich. Deshalb halten wir einen sozial-ökologischen Umbau unserer Wirtschaft und Gesellschaft für unerlässlich. Erste Ideen dafür liefern die Diskussionen um Postwachstum und Degrowth (deutsch: Schrumpfung).
Für solch eine Veränderung braucht es jede*n Einzelne*n; Menschen, die sich gemeinsam zu einer ganzen Bewegung zusammenschließen und letztlich Änderungen in den größeren politischen und wirtschaftlichen Strukturen bewirken. Persönliches Konsumieren spielt unserer Meinung nach erst einmal eine untergeordnete Rolle, hilft aber, neue Ideen für das große Ganze zu entwickeln und zu erproben.
Es ist höchste Zeit, die gesellschaftlichen Probleme in den Blick zu bekommen, sich nach Alternativen umzusehen und aktiv etwas zu verändern: Im Café kaputt wagen wir das gemeinsam. Mit der Welt im Kopf fassen wir uns ein Herz und fangen bei uns zu Hause an.